Erben und ihre Rechte: Ich bin Erbe – Was nun?

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Der Erbe wird in der Sekunde des Todes automatisch Eigentümer

Auch wenn es Sie wundern mag. Bereits in der Sekunde des Todes geht das gesamte Vermögen, das der Verstorbene hatte, auf Sie als Erbe über. Das folgt aus den Grundsätzen des Vonselbsterwerbs, d.h. das Erbe geht automatisch über, und dem der Universalsukzession, d.h. alles, was der Tote hatte, geht über. Das Erbe muss also nicht bei irgendeinem Amt angetreten werden. Es fällt Ihnen wie von Zauberhand an.

Selbst wenn das Nachlassgericht noch gar nicht weiß, wer der Erbe ist, geht mit dem Tod das Vermögen als Ganzes auf den Erben. Das mit dem Wissen oder Nichtwissen gilt auch für den oder die Erben. Mehrere Erben bilden ab der Sekunde des Todes eine Erbengemeinschaft über. Zu beachten ist, dass auch die Schulden übergehen.

Nach der Testamentseröffnung hat man sechs Wochen Zeit

Das Problem ist natürlich, dass man oft noch gar nicht weiß, ob man Erbe ist. Vielleicht hat man noch nicht einmal vom Tod erfahren. Es kann auch sein, dass der Erblasser ein Testament errichtet hat und andere als die gesetzlichen Erben eingesetzt hat. Hier gilt es,  die Testamentseröffnung abzuwarten. Nach der Testamentseröffnung wird das Testament an die Erben bekannt gegeben. Ab der Kenntnisnahme hat jeder Erbe sechs Wochen Zeit, die Erbschaft auszuschlagen. Tut er nichts, gilt die Erbschaft automatisch als angenommen. Seine Erbenstellung wirkt aber immer auf den Zeitpunkt des Todes zurück. Der Sinn der dahinter steht ist, dass der Nachlass nie herrenlos sein soll. Es soll immer jemand für das Vermögen verantwortlich sein. Auf den Erblasser folgt sofort der oder die Erben. Der Nachlass gehörte bis zum Zeitpunkt des Todes dem Erblasser und sofort ab dem Tod dem oder den Erben.

Wie erfährt das Nachlassgericht von einem hinterlegten Testament?

Das Testament wird vom Nachlassgericht eröffnet. Das Standesamt am Sterbeort informiert das Nachlassgericht. Das Nachlassgericht informiert das Zentrale Testamentsregister in Berlin. Von dort werden die Stellen, bei denen Testamente des Toten hinterlegt sind, informiert. Das Testament wird dann vom Hinterlegungsort abgerufen und an das zuständige Nachlassgericht geschickt.

Nur in Bayern werden die Erben ermittelt

Zu beachten ist, dass das Nachlassgericht in Bayern die Erben ermittelt, wenn ein Grundstück oder wesentliches Vermögen vorhanden ist. In den anderen Bundesländern gibt es keine Ermittlungspflicht. Oft stellen sich die Erben vor, dass sie zur Eröffnung des Testamentes geladen werden, wie man das aus Filmen kennt. Das ist in der Rechtswirklichkeit normalerweise nicht so. Üblicherweise werden die Erben nicht geladen. Es wird ihnen lediglich eine Niederschrift des Nachlassgerichtes über die Eröffnung des Testamentes zugesandt. Nicht nur der Erbe sondern auch das Finanzamt wird vom Nachlassgericht informiert.

Wie schlägt man ein Erbe aus?

Will man die Erbschaft ausschlagen, muss die Ausschlagung innerhalb der 6-Wochen-Frist  gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden. Entweder geht man direkt zum Nachlassgericht oder man erklärt die Ausschlagung über einen Notar. Beim Notar fällt aber zusätzlich zu den Kosten der Ausschlagung die Mehrwertsteuer an, die vom Nachlassgericht nicht erhoben wird.

Der Erbschein 

Der Erbschein ist ein Zeugnis, mit dem man sich als Erbe ausweisen kann. Man benötigt diesen gegenüber dem Grundbuchamt und gegenüber Banken, wenn keine Vollmacht über den Tod hinaus vorhanden ist. Eigentlich wird der Erbschein nur gegenüber dem Grundbuchamt benötigt. Bei Banken reicht eine Bankvollmacht. Ist also keine Nachlassimmobilie vorhanden und nur Geldvermögen vorhanden, über das der Erbe mit einer Vollmacht über den Tod hinaus verfügen kann, bedarf es keines Erbscheins.

Ist ein notarielles Testament vorhanden, aus dem sich  die Erben zweifelsfrei ergeben, können Banken und Grundbuchamt auch auf einen Erbschein verzichten.

Miterbe Finanzamt meldet sich

Es dauert dann etwa sechs Monate bis das Finanzamt einen zur Abgabe der Erbschaftsteuererklärung auffordert. Es sendet dann grünfarbige Formulare zu diesem Zweck zu. Da das Nachlassgericht den Tod dem Finanzamt meldet, muss dies der Erbe selber nicht tun. Er muss einfach abwarten, ob er zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung aufgefordert wird. Das zuständige Finanzamt ist in der Regeln nicht das normale Finanzamt, sondern das besondere Erbschaftsteuer-Finanzamt.

Grundbuch berichtigen

Nochmals: Auf Grund des von Selbsterwerbs und der Gesamtrechtsnachfolge ist der Erbe in der Sekunde des Todes Eigentümer des gesamten Nachlasses. Er kann also über die Nachlassgegenstände verfügen. Er ist selbst dann Eigentümer von Grundstücken, wenn das Grundbuch noch nicht auf seinen Namen berichtigt ist. Die Umschreibung im Grundbuch ist nur eine Berichtigung. Auch ohne die Umschreibung ist der Erbe bereits Eigentümer.

Was kostet der Erbschein?

Die Kosten für einen Erbschein sind folgende:

Bei einem Nachlasswert bis

  • 100.000,00 € kostet der Erbschein 414,00 €
  • 200.000,00 € kostet der Erbschein 710,00 €
  • 300.000,00 € kostet der Erbschein 1.014,00 €
  •  500.000,00 € kostet der Erbschein 1.613,00 €

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